5 Aug 2015

The Art Loss Register discusses its positive registration service in this year's Art Value magazine

William Webber, Antiquities Specialist at the Art Loss Register, discusses recoveries and the benefits of positive registration on the database in this year's Art Value 15 Magazine

Die Restitution einer Marmorbüste von Marcus Aurelius Ein Fallbeispiel und was daraus folgt

Am 22. Dezember 1996 wurde aus dem Museumim algerischen Skikda ein römischer Marmorkopf des Kaisers Marcus Aurelius gestohlen, zusammen mit acht weiteren ähnlichen Alters. Das Art Loss Register (ALR), die weltweit größte, private Datenbank für gestohlene Kunst, Antiken und Wertgegenstände, entdeckte den Kopf im Jahr 2004 bei einem New Yorker Antikenverkauf. Im Jahr 2008 konnte er den algerischen Behörden zurückgegeben werden.

Als das ALR über den Diebstahl der Antiken informiert wurde, registrierte es diese umgehend in der Datenbank. Das ALR überprüft routinemäßig die Kataloge von zahlreichen Auktionshäusern weltweit (Stand 2015: 87 Auktionshäuser, davon 13 in Deutschland). Bei einer solchen Überprüfung, stellte das ALR eine mögliche Übereinstimmung eines Auktionsloses mit dem registrierten Kopf fest. Der Kopf stammte laut Auktionskatalog, der ihn als eines der wichtigsten Lose der Auktion vorstellte, aus einer Pariser Privatsammlung, in der er seit den 1940er Jahren gewesen sei. Recherchen des ALR weckten jedoch Zweifel an der Provenienz, und tatsächlich erwies sie sich als gefälscht. Fälle wie dieser veranschaulichen die Bedeutung von Provenienzrecherchen.
 
Aufgrund der Ähnlichkeit des Auktionsloses mit der Datenbankregistrierung, kontaktierte das ALR sowohl Interpol als auch das algerische Museum und bat um weitere Informationen. Dank weiterer Bilder und Abmessungen zum Kopf Marcus Aurelius‘ konnte die Übereinstimmung nun definitiv bestätigt werden. Die Entscheidung, den Marmorkopf nicht zu verkaufen, lag dann bei der Rechtsabteilung des Auktionshauses, die ihn am 6. Juli 2004 von der Auktion zurückzog.
 
Das ALR arbeitete eng mit den US-Strafverfolgungs und Zollbehörden zusammen. Diese hätten für den Fall, dass die genauen Maße des gestohlenen Objekts nicht zu ermitteln gewesen wären, sicherstellen sollen, ob und unter welchen Umständen es dann möglicherweise doch zu einem Verkauf gekommen wäre.
 
Nach vier Jahren Verhandlungen wurde 2008 der Kopf von den amerikanischen Behörden an die algerische Botschaft in Washington übergeben.
 
Datenbanken sind erste Diebstahlprävention für Museen und Privatsammlungen
 
Museen und Schlösser kämpfen damit, eine Balance zwischen Sicherheit und Sichtbarkeit ihrer Kunst zu finden. Auf der einen Seite stehen die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen und die Unannehmlichkeiten bei ihrer Umsetzung. Auf der anderen Seite steht das Anliegen, die Objekte zugänglich und sichtbar zu halten.
 
Problematischer ist es für all die Stätten, die keine Videoüberwachung ihrer Räume haben und insbesondere in Depots. Große Museen wie das Victoria & Albert Museum in London mit rund drei Millionen Objekten im Depot, können allenfalls im Rahmen einer Revision, die gerade mal alle drei Jahre stattfindet, ihre Bestände überprüfen. Daher rührt die traurige, aber unvermeidliche Tatsache, dass ein Großteil der dem ALR gemeldeten Fälle erst einige Zeit nach dem Diebstahl entdeckt werden.Das Museum wird eventuell glauben, das Objekt sei verlegt worden und würde sich schon anfinden. Bis es gewahr wird, dass es gestohlen ist, ist das Objekt womöglich bereits auf dem Kunstmarkt aufgetaucht.
 
Aber es gibt ein paar gleichermaßen kostengünstige wie effektive Maßnahmen, mit denen eine Diebstahlprävention wesentlich verbessert würde. Alle Museen und Schlösser sollten gute Dokumentationen einschließlich Fotos und Abmessungen ihrer kompletten Sammlungsbestände haben. Eine spezifische Markierung kann bei der Identifizierung von Objekten hilfreich sein, die nicht einzigartig sind.

Eine gute Dokumentation ist auch die Voraussetzung für eine Positivregistrierung in der ALR-Datenbank (so genannte Pre-Loss-Registration). Neben der Registrierung von gestohlenen und verlorenen Objekten, bietet das ALR die Möglichkeit, ganze Sammlungsbestände bereits vor einem Verlust in die Datenbank aufzunehmen. Diese Registrierungen erleichtern nach einem Verlust das Wiederauffinden eines Objekts, da alle erforderlichen Objektdetails bereits sorgfältig zusammengetragen wurden.
 
Das ALR durchsucht aktiv den Kunstmarkt nach registrierten Objekten. Nebst der Überprüfung von Auktionskatalogen arbeitet das ALR mit vierzehn renommierten Kunstmessen (zum Beipsiel Art Basel, Tefaf, Masterpiece) und bearbeitet jährlich über 360.000 individuelle Suchanfragen von Sammlern, Galerien, Händlern, Museen, Auktionshäusern, staatlichen Behörden, Polizei und Zoll. Wenn eine Übereinstimmung mit einer Positivregistrierung gefunden wird, wird der Registrant umgehend darüber informiert, um abzuklären, ob das Stück gewollt auf dem Markt ist.
 
Die Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur von Mitarbeitern des ALR durchsucht werden. Positivregistrierungen sind auch für Sammler geeignet, die nicht möchten, dass ihre Werke öffentlich bekannt sind. Es ist nicht notwendig, dass das ALR die Identität des Eigentümers oder den Ort einer Sammlung kennt, vorausgesetzt, es gibt einen ordnungsgemäß Bevollmächtigten, der den Vertrag unterschreiben kann und im Falle einer Übereinstimmung kontaktiert werden kann.
 
Begehrtes Diebesgut, das insbesondere von einer Pre-Loss-Registration profitieren würde, sind Objekte in Kirchen, vor allem Silber, Bronzen, architektonisches Schmuckwerk, einschließlich Glasmalerei und Eichenmöbel, alles was leicht entfernt werden kann und sehr schwierig zu sichern ist, ohne seinerseits den Besucher seines Zugangs und die Objekte ihrer Erfahrbarkeit zu berauben.
 
Die bloße Aufnahme von Objekten in Inventarlisten hat auf Diebe keine abschreckende Wirkung, es sei denn sie werden mit zum Verkauf stehenden Objekten abgeglichen. Die 2002 gegründete Public Catalogue Foundation verzeichnet Kunstgegenstände aller Britischen Museen, die öffentlich zugänglich sind. Gemäß einem Abkommen mit der Public Catalogue Foundation kann jedes Museum seine Objekte in die positive Datenbank des ALR eintragen lassen und dies – gegebenenfalls mit Warnhinweisen – publizieren. Viele Museen hatten bei der Gründung der Public Catalogue Foundation jedoch noch keinerlei Inventarlisten, so dass dies ein großer Schritt nach vorn war, die Sicherheit zu erhöhen und die Kampagne gegen Kunstdiebstahl zu verstärken.
 
Je bekannter es ist, dass die Sammlungsbestände eines Hauses beim ALR registriert sind, desto größer ist die abschreckende Wirkung, sie zu entwenden, sei es durch Kriminelle, die sich als Besucher ausgeben oder Mitarbeiter, die Zugang insbesondere zum Depot haben. Es gibt inzwischen aus polizeilichen Ermittlungen, aus den Protokollen der Vernehmungen von Kunsthehlern und aus der Statistik erfolgter Rückführungen von gestohlenen Objekten klare Erkenntnisse darüber, dass ein gestohlenes Objekt, das beim ALR registriert ist, auch in der Einschätzung der Täter längst nicht so viel einbringt, als wenn es nicht registriert wäre.
 
Deswegen versuchen Kriminelle herausfinden, ob gestohlene Stücke in der ALR-Datenbank registriert sind. Daher rührt die Unternehmenspolitik des ALR, Anfragen ohne Vertrag und Nachweis der Redlichkeit der Anfrage nicht zu beantworten. Betrüger versuchen das System auszutricksen, indem sie an Leute verkaufen, die nicht vorher recherchieren. Dies kommt aber nur in den unteren Gefilden des Marktes vor, wo auch die erzielbaren Preise niedriger sind.
 
Eine gute Dokumentation ist die wichtigste Grundlage für die Bewahrung von Kunst und Antiken. Ohne diese kann es keine sinnvolle Forschung, keine richtige Bewertung, keine angemessene Versicherung oder Restaurierung geben. Es ist ein wesentliches Element der Wertschätzung der Objekte und ihrer Bedeutung für das kulturelle Erbe. Eine Registrierung der Objekte auf der positiven ALR-Datenbank bietet einen effektiven und kostengünstigen Schutz.

 

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